Die
Entstehung und Historie der Hospitalstraße in Biedenkopf
Erste Hinweise auf die Entstehung der Hospitalstraße gehen zurück auf das Jahr 1335. Die Bevölkerung wuchs und man legte einen zweiten Marktplatz, den heutigen Marktplatz, an. Die „Neuen Bürger“ kamen von den umliegenden Ortschaften und siedelten im Anschluss an den neuen Marktplatz.
Man
nahm die Häuser und Stallungen einfach mit. Bei den Fachwerkbauten entfernte
man die Gefächer, zerlegte das Fachwerk und baute es am neuen, zugewiesenen
Standort wieder auf.
Am
Beginn der Hospitalstraße wurde eine Pforte, die Hospital-Pforte erbaut.
1417
wurde von den Freiherren Gerlach von Breidenbach und Herrmann von Löwenstein
ein „Siechenhospital“ mit einer Kapelle, der Hospitalkirche, erbaut. Es kam
zur Gründung einer Hospitalstiftung, der die Finanzierung der Einrichtung
oblag. Dafür wurden von den Stiftern Ländereien abgetreten.
Es
wurden Kranke und Gebrechliche gepflegt, die wiederum ihr Vermögen für die
entstandenen Kosten einbringen mussten. Als es 1637 zu einer Ausbreitung der Pest kam, wurde der Friedhof neben
der Stadtkirche in der Oberstadt in die Nähe des Hospitals, und 1894 unterhalb
der Lippershardt „An der Mushecke“ verlegt.
Die
Stiftung wurde paritätisch von Kirche und Stadtverwaltung bis zur Auflösung in
1826 geleitet.
Die
Tätigkeit der Bevölkerung war zunächst noch überwiegend landwirtschaftlich
ausgerichtet, vollzog sich sukzessive ein Wandel zum Handwerk.
Es
wurden Produkte aus Rohstoffen der heimischen Forst- und Landwirtschaft
hergestellt. Die Handwerker schlossen sich zu Zünften mit festen
Regularien zusammen.
Das
Gebäude der ehemaligen Färberei Plack an der Einmündung zur heutigen
Schulstraße war zweckmäßig an einem Ausläufer des Kottenbach erbaut.
Die
alte Durchgangsstraße von Eckelshausen nach Battenberg führte noch über die
Strecke Musbach-Schillerweg-Höfchen-Galgenberg.1817 wurde mit dem Bau der neuen
Straßenführung durch die Hospitalstraße begonnen und endete 1840 mit dem
Abriss der Hospital-Pforte.
Im
19. Jahrhundert gründeten sich industrielle Betriebe, weitere Dienst- und
Wirtschaftsgebäude wurden errichtet.
1836 erbaute J. K. Werner eine Seifenfabrik, deren Gebäude sich von der Hospitalstraße entlang Am Bahnhof bis zur Ladestraße des Bahnhof erstreckte.
1840
und 1845 wurden die Schreinereien Wild und Breidenstein gegründet, die später
in die Hospitalstraße umsiedelten.
Der
Grundstein für den Bau der Katholischen Kirche in der Hospitalstraße wurde
1888 gelegt.
1892
folgte der Bau des Gebäudes der Oberförsterei Katzenbach an der Kreuzung
Hospitalstr./Freiherr vom Stein Str..
1876 wurde von Georg Hacker im Anwesen Hospitalstraße 36 eine Schankwirtschaft gegründet. 1938 wurde das Gewerbe von Lina Höhn durch die Gründung einer Süßmosterei erweitert.
Im
heutigen Auweg/Hospitalstr. gab es eine Brauerei. 1901 baute der Braumeister
Weygand, später durch Braumeister Keller fortgeführt, einen Neubau der
Brauerei auf dem Grund der alten Brauerei Hoffmann. Die Kühlkeller, drei
Felsenkeller (Haus-Nr. 33 ½-39),
befanden sich in der Hospitalstr. und dehnten sich teilweise bis zum Schillerweg
aus. Die beiden rechten Keller sind zusammen durch einen Durchbruch verbunden.
Der rechte Keller besteht aus zwei, der linke Keller aus drei Gewölben.
Auf
dem Anwesen Schillerstraße 11 befindet sich im Garten ein Notausstieg des
darunter liegenden Keller.
Das
Handwerk in der Hospitalstraße zeigte sich facettenreich; es gab Schuhmacher, Bäcker,
Schreiner, Schlosser, Färber, Braumeister, Metzger, Kolonialwarenhändler.
Anfangs
des 20. Jahrhunderts kamen mehr und mehr einzelne Geschäfte dazu, es wandelte
sich das Bild in der vorderen Hospitalstr., von handwerklichen Kleinbetrieben
erweitert durch den Umbau mit Schaufenstern, zu einer Geschäftsstraße. Bereits
1903 baute die Färberei Plack Schaufenster in das Gebäude ein.
1931
gründete Max Haubold eine Feilenfabrik zwischen der Katholischen Kirche und dem
Dienstgebäude der Oberförsterei Katzenbach.
Mitte
der fünfziger Jahre kam es zur Anbindung der Schulstraße an die Hospitalstraße.
Meine
Gedanken über die Geschichte der Hospitalstraße können nur einen groben Überblick
geben
Hilfreich
war die Publikation von Karl Huth: “Biedenkopf, Burg und Stadt im Wandel der
Jahrhunderte“ und der Wissensschatz der Herren Günter Bäumner und Bernhard
Debus.
Vielen
Bürgerinnen und Bürgern sind sicherlich noch diverse Anekdoten über die
Hospitalstraße mit ihren Bewohnern und Gebäuden geläufig.
Biedenkopf, im März 2000, Rainer Höhn.
